Entwicklung des Fischfangs in Sythen

Die Sythener fischten schon vor über 2000 Jahren im Mühlenbach, denn

Fischfang war jahrhundertelang eine der wichtigen Ernährungsquellen in unserer Gegend.

Sythener Mühle um 1930 (Foto von Alexandra Tönnis)

 

Auf den sandigen Böden waren die landwirtschaftlichen Erträge damals noch gering, aber zum Glück waren

Mühlenbach, Stever und Lippe  damals sehr fischreich.

Fischten und Jagden die alten Germanen frei, wo und wie sie wollten, waren nach dem berühmten Sieg des Frankenkönigs Pippin, bei Sythen, um 798 die Dorfbewohner den Franken verpflichtet.

Das Land bekam königliche Grafen, die mit ihren Schöffen unter Königsbann Recht sprachen.

So nahmen die neuen Herren die Allmende, d. h. Wald, Jagd und Fischerei, für sich allein in Anspruch, und

die ansässigen Dorfbewohner wurden zu Leibeigenen.

Eine im Jahre 1496 von Johann von Besten, dem damaligen Besitzer des Schlosses in Sythen, vor dem Richter zu Dülmen

abgegebene Erklärung besagt, dass die Fischerei des Mühlenbaches und des Taubenteiches auf seinem Gebiet ihm ganz allein gehöre.

Dazu heißt es: „de visscherye des stroms unde waters geheiten de wagrappen (Mühlenbach) angaende der molen ten groten

dycke und kerende an der molen to wedersem (Stadtmühle)“.

Weiterhin gab er zu Protokoll, dass zu ihm, dem Besitzer des Hauses Sythen, die ganze Sythener Mark mit allen darin liegenden Höfen und Kotten gehöre.

Das bedeutete, dass die damaligen Sythener Anwohner dem Hause Sythen eigenhörig und dienst- und lehnspflichtig waren.

Jagen durfte nur der Besitzer des Hauses Sythen.

Die Fischerei am Mühlenbach überließ der Besitzer des Hauses Sythen  allerdings den Dorfbewohnern.

Noch um 1800 war ein Heinrich Bergpeter (heute Mühlenbrock in der Stockwiese) Vorsteher oder Bauernrichter in Sythen.

Aus seinen Aufzeichnungen wird u.a. deutlich, dass die Sythener auch damals noch verpflichtet waren für den Grafen den Taubenteich zu entschlammen.

Am 11. und 12. November 1805 sind »jeden Tag 16 laders am großen Diek (Duvendiek =Taubenteich hinter dem Schloss) gestellet«.

- Am 28. August 1809 sind u. a. Gödde, Friedag, Haverkamp, Dickerhoff, Döllert, Moskamp, Thieß, Alfs, Lambernd an den großen Diek bestellet, um Sand zu laden.

Andere: Schult, Uphauß, Wessel, Schrohr, Doppe, Vormann, Godenhinrich, Brambrink, David, Paul, die haben Buschen gebunden, 500 in summa.

Manche Eintragung sagt kurz und bündig: »Alle am großen Diek bestellet.«

Wohin man damals den anfallenden Boden fuhr bleibt zu vermuten. Vielleicht erklären sich so die wallartigen Hügel entlang der Straße Stockwieser Damm, kurz vor der Kreuzung. Auf jeden Fall war damals harte Knochenarbeit zu leisten.

Repro : Heinz Stiller

Die Namen der Gewässer haben sich im Laufe der Jahunderte der Sprache angepasst.

Der Sandbach war die Ipsche und der Mühlenbach die Mahlgerbe.

"Die Ipsche kommt aus dem Süskenbroek, fließt längs den Borkenbergen und kommt unterhalb des Hauses Siten in die Mahlgerbe."

Der Sandbach hieß ursprünglich auch Apa = Bach, später asa, esa, isa=Bach, von Ap-isa zu Ep-isa und dann zu Ip-isa, noch später verstand man den Begriff isa=Bach nicht mehr und hängte -beke an, so wurde Ip-isa zu Ip-ise-beke und dann zu Ip-s-ke (Ipsche), die später den Beinamen „Sandbach" erhielt (durch sandiges Gebiet fließend), im Gegensatz zur Alina (Heubach).

Der Mühlenbach hieß zu germanischer Zeit Alina oder Alisa (-ana, -ena, -ina oder -asa, -esa, -isa heißt germanisch Bach).

Im 15.Jahrhundert hieß der Bach Wargappe, was Burgbach bedeutete (warg = Burg), künstliche Erderhöhung, appe=Bach.

Die Silbe appe findet sich heute noch in dem Namen „Apwiesen"  (Riethwiesen), ein dem Linnert nördlich vorgelagertes Wiesengelände. Später erhielt der Bach ein neues Namensgewand in der Form von Heubeke.

Belegt ist für das genannte Gelände der Name Heu zuerst um 1700 im Codex traditionum Westfalicum.

In jüngerer Zeit, etwa um 1600, ist dann für die Alisa-Wargappe-Heubeke der Name Mollenbeke - Mühlenbach aufgekommen.

Bezeichnend für diese Neubenennung waren vor allem die „Molle tom groten Dyke", entweder die alte fürstbischöfliche Mühle,heute Teichsmühle oder die Sythener Mühle.

"Der Mühlenbach kommt unter dem Namen Heubach von Groß-Reken durch die Torfmoore und Moräste, fließt längs Merfeld nach Haus-Dülmen, nimmt daselbst einen Bach auf, welcher gleichfalls den Namen Mühlenbach führt (Ondelerbach), dann kommt er in die Bauerschaft Sythen, wo er den

Namen Mahlgerbe annimmt. Er treibt die Mühle zu Sythen, fließt durch die Bauerschaft Sythen nach der Stever zu. Bald, nachdem er bei Haltern mehrere Mühlen in Bewegung gesetzt hat, fließt er in die Stever."

Altes Gerät zum Fischstechen

Foto: Heinz Stiller

  

Foto: Heinz Stiller

Fisch gab es in früheren Zeiten bei uns genug:

Besonders im April/Mai zogen Barben und Nasen von der Lippe zu Tausenden in die Stever und den Mühlenbach, um dort zu laichen und konnten dann leicht mit Speeren, Schlaghaken und Schlagschlingen erbeutet werden.

Die ziehenden Fische wurden vorwiegend an der der Mühlbachmündung mit Waden gefangen. Dabei stellte man diese Netze in die Strömung. Fänge von mehreren Zentner Fisch, größtenteils Barben, Nasen und Döbel, waren keine Seltenheit.

 

Repro: Heinz Stiller

Als weitere Fanggeräte benutzte man Garnreusen, Aalkörbe und Aalschnüre. Im Mühlenbach kamen lange Zeit auch Bachforelle, Quappe und Felchen als natürliche Population vor.

 

Foto: Heinz Stiller

Bachforellen von 4-5 Pfund sind hier gefangen worden. Um 1925 fing der Müller der Stadtmühle im Mühlenbach sogar eine Bachforelle von 9 Pfund. 

Weiterhin gab es Hechte, Döbel, Brassen, Schleie, Barsch, Weißfische, Aale, Quappen, Neunaugen und den heute ausgestobenen Edelkrebs.

Auch Kleinfische wie Elritze, Groppe, Stichling, Schmerle, Gründling und Steinbeißer waren in den kleineren Zuläufen vertreten.

Hechte zogen noch in den 1960er Jahren im zeitigen Frühjahr in die damals noch häufig überschwemmten Bereiche des Mühlenbaches, um abzulaichen.

Bei dem Rückgang des Hochwassers in den Mühlenbachwiesen fand man in den Pfützen Bresen, Barsche und Rotaugen.

Aale kamen über den Rhein die Lippe herauf. Es kam vor, dass das Wasser schwarz war, weil riesige Schwärme von Jungaalen zogen.

Es ist bekannt, dass ein Aal von 9 Pfund vom Müller im Mühlenkolk an der Stadtmühle gefangen wurde.

Auch der letzte Müller an der Sythener Mühle fing bis in die 60er Jahre die abwandernden Aale. Er hatte sich im Bereich der Mühle eine Fangvorrichtung aus Holz gebaut.

Alle zwei bis drei Tage entnahm er die großen Aale und transportierte sie in einem Jutesack ab.

Müller Gervert ca. 19 40 Foto von Reinhold Gervert

Ältere Anwohner erzählten, dass man früher auch Aale mit einer Haselrute fing. Einen Angelhaken benutzte man nicht. Die Aale bissen sich in dem Köder, der an einem Band festgebunden war (meist ein Knäuel Tauwürmer) fest. Wichtig war es, sie schnell aus dem Wasser zu ziehen, bevor sie abfielen. Man nannte die Fangart Poldern. Später verfeinerte man diese Methode und steckte den Köder in einen Damenstrumpf, in dem dann der Aal besser hängen blieb.

Der Fischreichtum endete mit der Industrialisierung, der Gewässerverschmutzung und schließlich mit den großen Umweltkatastrophen, die den Rhein und die Lippe nicht verschonten.

Durch Uferbefestigungen, Steinschüttungen und Umbauten des Bachlaufes  verschwanden Lebensräume und durch den Bau des Stausees konnten wandernde Fischarten nicht mehr in den Mühlenbach aufsteigen.

Die Wasserqualität wurde allerdings in den letzten Jahren stark verbessert. Selten gewordene Kleinfische wie Steinbeißer, Groppe und auch das Neunauge

fühlen sich im Mühlenbach wieder heimisch.

Leider finden die Fische aber in den Gewässern kaum noch Laich- und Versteckmöglichkeiten. Der Aal z.B., der in Massen vorkam, scheint auszusterben.

Zusätzlich wurde durch die Kormorane  das Fischvorkommen stark dezimiert.

Schwarmfische wie Rotaugen und Brassen sind heute kaum noch zu finden. Bedenkt man, dass einige hundert Kormorane jahrelang täglich in unseren Gewässern gejagt haben und weiß man, dass sie pro Tag 400 Gramm Fisch fressen, kann man über einen einfachen Dreisatz die vernichtete Fischmenge in Tonnen errechnen.

Fischfang hat heute vorwiegend Freizeitwert.

Die Fische werden nicht mehr zur Nahrungsgrundlage benötigt. Man kann heute im Edeka Markt um die Ecke alle erdenklichen Erzeugnisse aus aller

Welt und ohne große Mühe bekommen.

Am Fischfang und dem damit verbundenen Naturerlebnis interessierte Menschen gibt es in Sythen aber auch noch immer. Die Gene der Jäger und Sammler sind bei den Mitgliedern des Vereins noch vorhanden.

Längst müssen die Sythener keine Zwangsarbeit mehr leisten und sind heute als Petrijünger  im ASV Sythen engagiert und hegen freiwillig und ehrenamtlich

die heimischen Gewässer am Taubenteich und am Mühlenbach, Sandbach und am Unterlauf des Mühlenbaches.

Landschaftlich sind in Sythen die alten Strukturen der Gewässer noch größtenteils erhalten geblieben.

Mit dem heutigen Besitzer des Hauses Sythen hat man ein gutes Verhältnis.

Ziel des Angelsportvereins ist es, seine Mitglieder, besonders Jugendliche, in allen mit der Fischerei, dem Naturschutz und Umweltschutz zusammenhängenden Fragen zu helfen.

Die Mitglieder unterstützen Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung eines natürlichen Landschaftsbildes an Seen, Bach- und Flussläufen.

Heimische Fische wie Bachforelle, Barbe, Nasen und Weißfische und Aale werden wieder angesiedelt und so ein Stück heimatliche Natur erhalten.

Postkarte aus 50er Jahren, unterhalb des Wehres am Umlauf im Linnert

Reprofoto: Heinz Stiller

Foto: Heinz Stiller

Foto: Heinz Stiller

Foto: Heinz Stiller